Design kalkulieren: So findest du den richtigen Preis für deine Leistungen

Was ist dein Design wert? Wie viel kostet ein Logo? Wie legst du deinen Stundensatz fest? Die Frage nach dem richtigen Preis für das eigene Design, ist nicht einfach und pauschal zu beantworten. Aber sie die Wichtigste überhaupt, wenn du als selbstständiger Designer erfolgreich sein willst.

Was sollst du nun machen? Vor allem dann, wenn du eine Anfrage von einem potenziellen Auftraggeber bekommst und er wissen möchte: "Was nimmst du denn für ein Logo?".

  • Erstmal nichts sagen oder irgendwie das Design kalkulieren?
  • Einfach einen Preis festlegen?
  • Gucken was andere Designer so veranschlagen?
  • Bei Agenturen nachschauen?
  • Design-Plattformen wie 99designs als Basis nehmen?
  • Vergütungsempfehlungen wie von Berufsverbänden (AGD oder BDG) folgen?

Ganz ehrlich jede dieser Herangehensweisen ist unglücklich … Aber nicht, weil sie falsch ist oder weil sie dir nicht weiterhilft (zu wissen, wie du Marktsituation gerade ist, ist immer wichtig), sondern weil sie nicht berücksichtigt, was du kannst und deine Erfahrung außen vor lässt. Wenn du vor deiner Selbstständigkeit in einer Agentur 5 Jahre lang nur Corporate Designs entwickelt hast, dann hast du ganz andere Voraussetzungen, als ein Designer, der frisch von der Uni kommt, auch wenn ihr beide erst 6 Monate selbstständig seid. Auch das sind Faktoren, die sich in deinem Preis niederschlagen sollten.

Illustration, Design kalkulieren: So findest du den richtigen Preis für deine Leistungen, Achtung Designer

Dir fällt es noch schwer deine Designs zu kalkulieren? Keine Panik – mit jedem Auftrag wird es einfacher. Für den Start kannst du die folgenden Tipps nutzen.

Guck dir alles an, was du alles machst, bevor du dein Design kalkulierst

Also nimmst du dir einfach einen Basiswert und setzt dann den Preis um so höher, je mehr Erfahrung du hast? Okay, dann los.

Stop! Bevor du dir um ganz konkrete Zahlen Gedanken machst, musst du einen Schritt zurück. Es gehört nämlich sehr viel mehr zu deiner Arbeit, als du denkst und vor allem mehr, als du bei deiner Preiskalkulation berücksichtigt hast.

Design ist mehr, als reines Gestalten

Wenn du zum Beispiel ein neues Logo für einen Kunden entwirfst, dann gehören viele ganz unterschiedliche Schritte zu dem Designprozess:

  • Briefing: Worum geht es deinem Auftraggeber?
  • Konzept & Idee: Welches Konzept soll durch das Logo verdeutlicht werden?
  • Entwurf & Absprachen: Erste Entwürfe werden dem Auftraggeber vorgestellt und mit ihm besprochen.
  • Reinzeichnung: Finale Umsetzung des Designs.
  • Übergabe & Beratung: Übergabe des Logos an den Kunden und eine Beratung über die richtige und passende Anwendung innerhalb des Corporate Designs
  • Zusätzlich: Zeit für Telefonate, E-Mails und Absprachen mit dem Auftraggeber

Alle diese unterschiedlichen Aufgaben gehören zu dem Designauftrag dazu und müssen in deine Preiskalkulation einfließen. Und gerade die „kleine Posten“ wir Telefonate und E-Mails können echte Zeitfresser sein!

Hast du schon einmal festgehalten, wie lange du durchschnittlich für deine Designs brauchst? Es gibt tolle kostenlose Apps für Rechner oder Smartphone (wie z.B. TimeSheet oder einfach die Timer-Funktion an deinem Smartphone) mit denen du deine benötigte Zeit nebenbei erfassen kannst. Das hat zwei ganz große Vorteile für dich: erstens bekommst du ein realistisches Bild von der tatsächlichen Zeit, die du brauchst und zweitens kannst du dadurch deine Preise viel besser kalkulieren, weil du weißt, wie viele Stunden dich ein Logo im Durchschnitt immer kostet und kannst zum Beispiel entsprechende Festpreise festlegen.

Illustration, Design kalkulieren: das du gerne Designs machst, heißt nicht, dass weniger Geld kalkulieren musst, Achtung Designer

Nur weil du es gerne machst, ist es nicht weniger wert!

Du bist gerne Designer. Es fällt dir leicht schöne Designs zu entwickeln und es macht dir Spaß Dinge zu gestalten. Das ist toll! Es führt aber leider oft auch dazu, dass man die eigene Arbeit nicht hoch genug einschätzt. Immerhin hat es dir ja Spaß gemacht.

Das ist totaler Bullshit! Wenn du deine Designs kalkulierst spielt es keine Rolle, ob du Spaß an deiner Arbeit hast oder nicht. Es geht überhaupt nicht darum, wie du das Design findest. Es geht bei dem Design-Auftrag ja nicht um dich, sondern um deinen Auftraggeber. Ihm soll das Design gefallen. Für ihn soll es wertvoll sein und seinen Zweck erfüllen. Und daran misst sich auch der Wert deines Designs. Verkauft dein Auftraggeber 300% mehr Produkte, weil du ihm ein großartiges Design entworfen hast, dann ist das eine ganz deutliche Wertsteigerung für ihn. Deine Arbeit ist bares Geld wert! Wenn es dir dann zusätzlich auch noch Freude bereitet, ist doch super. Das darf aber keinen Einfluss auf den Preis haben.

Weißt du, wie viel du mindestens verdienen musst?

Hast du schon einmal zusammengerechnet, wie viel du pro Monat ausgibst? Also nicht nur für die offensichtlichen Dinge wie Miete, Essen, Versicherung, Auto oder Kino, sondern auch für Posten wie Altersvorsorge, Weiterbildung oder deinen Urlaub im nächsten Jahr? Eine Honorarliste zum Ausrechnen könnt ihr euch hier bei Frau-frei-und.de anschauen. Dieser Stundensatz ist dann das Mindeste, was du verdienen musst, damit du deine Kosten decken kannst.

Jetzt kannst du dein Design kalkulieren

Jetzt weißt du, wie lange du für deine Designs brauchst. Du weißt, dass deine Arbeit ihr Geld wert ist und wie viel du mindestens pro Monat einnehmen musst. Großartig! Das ist die perfekte Basis für deine Preiskalkulation.

Nimm dir einen Zettel und mach jetzt eine Tabelle mit deinen Leistungen. Dazu kommen noch zwei Spalten für die durchschnittliche Dauer und den Preis. Schnapp dir einen Taschenrechner und leg los und rechne alle Preise aus – ohne nachzudenken oder zu zögern.

Bsp: Ein DIN5-Faltblatt mit 4 Seiten dauert durchschnittlich 6 Stunden. Multipliziert mit 75 Euro/Stunden macht das einen Preis von 450,00 Euro + MwSt. + Nutzungsrechte.

Illustration, Design kalkulieren: weißt du, wie viel du mindestens verdienen musst, Achtung Designer

Aber nicht jedes Design ist gleich

Nun hast du eine Übersichtsliste mit deinen Preisen. Vielleicht denkst du dir jetzt: „Aber es ist doch gar nicht jedes Design gleich!“ Völlig richtig. Die von dir errechneten Preise sind ja auch nicht in Stein gemeißelt, sondern durchschnittliche Werte. Wenn du einen neuen Auftrag mit einem potenziellen Kunden besprichst, merkst du schnell, ob das gewünschte Design umfangreicher oder einfacher ist. Dann kannst du deinen Preis immer entsprechend anpassen.

Trotzdem ist deine Preisliste für dich ein großes Hilfsmittel. Auf die typische Frage von neuen Auftraggebern „Was kostet ein Faltblatt bei Ihnen?“ kannst du nun immer professionell antworten: „Für ein Faltblatt mit einem durchschnittlichen Aufwand berechne ich 450,00 Euro + MwSt. + Nutzungsrechte. Welche Kosten für Ihren konkreten Fall anfallen, hängt von Ihren individuellen Wünschen ab.“

Hast du dein Design kalkuliert, kannst du auf die Preisnachfrage von Auftraggebern professionell reagieren.

Die eigene Preise einschätzen

Über Geld redet man nicht. Vor allem nicht untereinander. Immer wieder stelle ich fest, dass um das Thema Geld ein großes Geheimnis gemacht wird. Das ist schade, denn hier würde mehr Transparenz für alle ein großer Vorteil sein. Designer könnten ihre Preiskalkulation viel besser einschätzen und Auftraggeber wüssten mit welchen Kosten sie rechnen müssen. Im angelsächsischen Raum wird das sehr viel offener gehandhabt.

Um herauszufinden welche Preise andere Designer ansetzen, gibt es unterschiedliche Wege. Du kannst auf den Websites von Agenturen und Freelancern nach Preisen recherchieren. Design-Marktplätze wie Twago oder 99designs bieten Designleistungen zu (kleinsten) Festpreisen an. Bei Berufsverbänden kann man als Mitglied Kalkulationsempfehlungen einsehen. Dazu kommen verschiedene Apps und Berechnungstools, die es auf dem Markt gibt.

Eine ausgiebige Marktrecherche ist gut und ganz normaler Bestandteil jeder Preiskalkulation. Die Ergebnisse können dabei sehr vielfältig sein. Wenn du dich an anderen Preisen orientieren möchtest, dann wähle solche Designer, die ähnliche Erfahrungen, Leistungen und Voraussetzungen haben, wie du. Lass dich aber nicht verrückt machen, denn den richtigen Preis für dein Design gibt es sowieso nicht.

Illustration, Design kalkulieren: weißt du, was du alles in deine Preisfindung einbeziehen musst, Achtung Designer

Fazit

Den passenden Preis für das eigene Design zu finden erscheint nicht einfach. Dazu spielen zu viele Faktoren eine Rolle. Wenn du den hier im Artikel vorgeschlagenen Weg gehst, um deine Designs zu kalkulieren, hast du aber eine gute Basis. Und der Preis für deine Designs wird sich auch immer wieder ändern. Du bekommst mehr Erfahrung, die Projekte werden komplexer oder dein Fachgebiet spezieller. Alle diese Dinge werden sich in deinen Preisen widerspiegeln.

Jetzt bin ich auf deine Erfahrungen gespannt. Wie legst du deine Preise fest? Nach welchen Kriterien kalkulierst du deine Designs? Und welche Erfahrungen hast du mit deiner Kalkulation gemacht?

Der Artikel wurde 2015 das erste Mal veröffentlicht und zuletzt im März 2019 umfassend aktualisiert.
Fotocredit Titelbild: Gudrun Wegener

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8 Kommentare

  • Hallo Gudrun

    Guter Artikel, danke! Leider finde ich nichts über das Problem wo entstehen kann, wenn der Kunde schlussendlich nicht zufrieden ist. Ein Antwort wie: "Ist noch nie vorgekommen" hab ich schon öfter gehört. Erscheint mir dann aber recht arrogant und naiv.
    Wie würdest du damit umgehen, wenn du schon während des Prozesses merkst, dass du mit dem Kunden nicht auf einen Nenner kommt?
    Legt man das in einem Vertrag vorhin fest, dass der Kunde einen reduzierten Preis bezahlen muss, wenn er nicht zufrieden ist, und das Logo somit nicht gebrauchen kann/darf? Oder besser in Etappen abrechnen, damit im Prozess schon gestoppt werden kann?
  • Hey Ivo,
    danke für deine Frage. Wenn der Kunde am Ende mit dem Design nicht zufrieden ist, dann liegt das nach meiner Erfahrung vor allem daran, dass es schon während des Designauftrags zu Unstimmigkeiten gekommen ist.
    Darum habe ich dir meine 6 Schritt und Tipps für diesen Fall in einem neuen ausführlichen Artikel aufgelistet. ( https://www.achtungdesigner.de/blog/schritte-damit-dem-kunden-das-design-gefaellt/ )
    Ich hoffe, der Artikel beantwortet deine Frage. Wenn du noch mehr dazu wissen möchtest, dann schick mir gerne eine Mail oder lass mir einen Kommentar da.
    Viele Grüße
    Gudrun

  • Danke für den tollen Artikel! Ich habe mich vor Kurzem Selbständig gemacht und bin beim Schreiben von Offerten noch etwas unsicher. Aber mit der Zeit und den Aufträgen werde ich sicherer :)
    Je nach dem was der Kunde für Vorstellungen hat (konkrete oder noch keine?), ist der Preis unterschiedlich. Ich möchte die Kunden nicht "strafen" wenn sie schon konkrete Skizzen und Gedanken gemacht haben.
    Ich finde es auch schade, dass man nicht über Geld und Lohn spricht ... vielleicht braucht es auch hier etwas mehr Zeit.
  • Hallo Gudrun,
    das ist ein Dauerthema :-).
    Gut geschrieben und immer schön die kniffligen Punkte herausgepickt.
    Aus meinem AGD-Vorträgen hab ich mir vor 15 Jahren gemerkt:
    - nenne es Vergütung, nicht Preise (Preise sind für Lagerware), denn wir veredeln / vergüten, verwenden „ordentliche” Schriften - Comic Sans YEAH :-D.
    - diskutiere nicht um den Preis, sondern immer um den Wert (deiner Arbeit).
    (Marketing-Vorlesung: „Wer keine Werte hat, muss sich auf Preisdiskussionen einlassen…”)
    Wie immer: Die Mischung macht es und da wir kein Katalogberuf ausüben, gibt es, neben den von dir genannten – sinnvollen – Grundkalkulationen, keine Standards.
    Das ist Fluch und Segen in einem - aber mit der Erfahrung und solchen tollen Blogpost wird das schon :-).
    Beste Grüße
    Thomas
  • Hallo Thomas,
    danke für deinen Hinweis es "Vergütung" und nicht Preis zu nennen. Oft sind es schon solche vermeidlich kleinen Feinheiten, die beim Gespräch mit den Auftraggebern einen großen Unterschied machen. Und das gilt auch für die Wahrnehmung der eigenen Design-Leistung. Das ist auch meine Erfahrung.
    Viele Grüße,
    Gudrun

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