Webflow ist perfekt für Designer, die ihre Layouts selbst umsetzen wollen – Interview mit Jonas Arleth

Wie lebt und arbeitet ein Webdesigner? Welche Tools sind wichtig und welche Herausforderungen hat man so im kreativen Alltag? Wie kann man mit Programmen wie Webflow auch (oder gerade) als Designer die eigenen Layouts komplett alleine umsetzen? Auf diese und viele andere Fragen gibt der Designer Jonas Arleth in seinem Podcast regelmäßig Antworten. Definitiv spannend und sehr hörenswert! Umso mehr freut es mich, dass ich Jonas heute im Interview habe und mehr über ihn und seine Arbeit erfahren kann. Los gehts!

Gudrun: Hi Jonas, schön, dass du dir für unser Interview Zeit nimmst. Kannst du dich und deine Arbeit kurz vorstellen, damit wir dich besser kennenlernen? Was genau machst du, seit wann bist du selbstständig und in welchen Designbereich bist du tätig?

Jonas: Ich arbeite mittlerweile seit 2012, also über 8 Jahre selbstständig als Webdesigner und helfe überwiegend mittelständischen Unternehmen beim Aufbau oder Redesign ihrer Website. In den letzten Jahren waren auch viele Online Shops dabei. Ich erarbeite meistens eine neue Content-Strategie, das Konzept und Design der Seite. Da mein Background mehr im Design liegt, habe ich in den letzten Jahren auch viel mit externen Entwicklern zusammengearbeitet.

2018 bin ich dann auf das Tool Webflow gestoßen, welches mir ermöglicht, ohne große Programmierkenntnisse meine Layouts selbst umzusetzen. Das hat mir so einen großen Mehrwert gebracht, weshalb ich mich 2020 entschieden habe, ein Onlinekurs zu dem Thema aufzubauen.

Seit 2021 versuche ich meinen Umsatz nicht mehr nur aus Kundenaufträgen zu generieren, sondern auch mehr und mehr durch Nebenprojekte wie meinen Onlinekurs oder Podcast. Und das funktioniert bisher ganz gut.

Arbeitsplatz Jonas Arleth

Du hast einen Blog und einem Podcast zum Thema „Webdesigner sein“. Das finde ich super, denn ich freue mich immer, wenn ich auf andere Kreative treffe, die genauso gerne ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen wie ich. Wie kam es dazu? Was hat den Ausschlag geben, dass du mit dem Podcasten und Bloggen begonnen hast?

Ja, genau. 2015 habe ich meinen ersten Blogpost veröffentlicht und Anfang 2017 meinen wöchentlichen „Web & Design Podcast” gestartet. Darin geht es primär um Design im digitalen Bereich, aber auch um Freelancing, um die Zusammenarbeit mit Kunden sowie um verschiedene Arbeitsprozesse. Eben alles, wo sich diese Bereiche auch irgendwie überschneiden.

Der Grund für den Start war, dass ich mich nach außen hin bewusster als Experte positionieren wollte. Ich habe quasi mein Wissen an andere Designer weitergegeben und konnte damit gleichzeitig mehr Vertrauen und Sicherheit zu potenziellen Kunden aufbauen.

Ein Nebeneffekt war, dass auch Google mich irgendwann als ein Spezialist im Bereich Webdesign gesehen hat und mich deshalb bei vielen Suchanfragen sehr gut positionierte. Dadurch bekam ich automatisiert viele neue Projektanfragen. Das war zwar nicht der Grund für den Start eigene Inhalte zu produzieren, aber ein toller Nebeneffekt.

Heute versuche ich mehr und mehr auch in die Videoproduktion einzusteigen und veröffentliche wöchentlich neue Webdesign Tutorials über meinen YouTube-Kanal. Das macht mir momentan enorm viel Spaß.

Dein Spezialgebiet ist Webflow*. Damit baust du deine eigene Website, aber auch deine Kundenprojekte. Was genau ist Webflow und was schätzt du an diesem Content Management System besonders?

Webflow ist im Prinzip ein Designer, mit dem du im Browser deine Layouts visuell bauen kannst, ohne dabei eine einzige Zeile Code schreiben zu müssen. Das erledigt alles Webflow für dich im Hintergrund.

Webflow gehört zu den sogenannten No-Code Tools, welche immer populärer werden. Du kannst dir vorstellen, dass es bisher sehr viele Designer*Innen abgeschreckt hat, ihre eigenen Layouts umzusetzen, da viele einfach nicht programmieren können und es auch nicht lernen wollen. Ein Werkzeug wie Webflow nimmt dir genau diese Arbeit ab und dadurch kommt extrem viel neue Kreativität auf den Markt. Auf einmal ist es beispielsweise auch Print-Designern möglich, im Webdesign Fuß zu fassen, ohne die Programmierung als Hürde zu sehen.

Ich weiß, dass die meisten mit so was wie Wordpress, Joomla oder Squarespace arbeiten. Und das ist völlig ok. Diese Werkzeuge bringen dich auch zum Ziel. Aber dort gibt es einen immens großen Unterschied.

Der ganze Markt ist so ein bisschen getrieben von Templates und Vorlagen, und viele nutzen beispielsweise ein Theme, welches sie dann so weit es geht für den Kunden anpassen. Das Problem dabei ist, dass dadurch entweder sehr viele Webseiten da draußen sehr gleich aussehen oder man im Prinzip nicht alles umsetzen kann, was man eigentlich möchte. Dazu braucht man in der Regel einen Entwickler als Partner mit im Boot.

Gerade durch meine Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit externen Programmierern weiß ich, wie aufwändig und mühselig es sein kann, eine Website wirklich so umgesetzt zu bekommen, wie ich sie in meinem Design-Programm gestaltet habe. Es geht einfach so viel verloren unterwegs und wirklich effektiv ist es auch nicht.

Als ich Webflow dann zum ersten mal ausprobiert hatte, ist mir sofort klar geworden, was für ein Game Changer das für viele sein wird, weil ich auf einmal auch wirklich beeindruckende Animationen und Interaktionen selbst bauen konnte. Sowas war davor einfach sehr mühselig und schwer mit externen Entwicklern zu kommunizieren.

Der Unterschied zu Themes und Templates ist, dass ich mit Webflow wirklich individuelle Designs umsetzen kann. Ich starte mit einem weißen Artboard und nicht mit einem Theme, das schon 1000 andere nutzen. Ich kann 1:1 das realisieren, was ich zuvor in meinem Designprogramm gestaltet habe. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass wirklich gut zahlende Kunden auch genau das schätzen.

Jonas Arleth Online Kurs

Wie funktioniert Webflow und welche Vorteile hat es für Designer? Diesen Fragen geht Jonas Arleth in seinem Onlinekurs auf den Grund.

Man merkt dir deine Begeisterung für Webflow eindeutig an. Und auch hier willst du dein Wissen und deine Tipps teilen und hast einen kompletten Onlinekurs zu dem Thema erstellt. Für wen ist dein Kurs Webflow lernen*?

Ich denke, perfekt ist er für diejenigen, die ihren Hintergrund so wie ich auch mehr im Design haben, aber auch endlich mit Webdesign mehr Einnahmen generieren wollen.

Genauso für Webdesigner, Agenturen oder Marketer, die das Werkzeug Webflow wirklich komplett verstehen und beherrschen möchten.

In deinem Kurs Webflow lernen* gehst du ja über das eigentliche „Website erstellen“ hinaus und zeigst den Teilnehmern am realen Kundenbeispiel, wie du einen Auftrag mit Webflow umsetzt. Auch den Part der Zusammenarbeit mit den Kunden ist Teil deiner Inhalte. Ich finde das sehr praktisch und hilfreich. Warum hast du diese große Nähe zu unserem Designeralltag mit in den Inhalt aufgenommen?

Ich hatte beim Erstellen des Webflow Onlinekurses einfach meine Zielgruppe vor Augen und wollte es unbedingt schaffen, dass jemand, der gar nichts mit dem Thema Webdesign zu tun hat, trotzdem im Prinzip einen Kundenauftrag umsetzen und auf einer eigenen Domain veröffentlichen kann. Es geht also von den Grundlagen bis hin zu beeindruckenden Scroll-Animationen oder komplexen CMS-Filter Systemen. Auch so Themen wie DSGVO wollte ich nicht einfach überspringen, weil ich weiß wie lästig es ist, sich diese Themen alleine zusammenzusuchen.

Keine Frage, du kannst Webflow auch durch viele kostenlose Tutorials lernen und dir selbst beibringen (auch auf meinem Kanal). So habe auch ich mir Webflow beigebracht. Trotzdem musste ich dafür mehrere Jahre rum probieren und herausfinden, wie man was wie macht.

Der Kurs ist ganz einfach eine Abkürzung und ich habe mein ganzes Wissen gebündelt dort reingesteckt. Wofür ich also mehr als ein Jahr gebraucht habe, kann man in den Kurs-Modulen in wenigen Tagen lernen und danach selbstständig damit Geld verdienen.

Und was ist, wenn ich während der Lektionen im Kurs Hilfe brauche? Oder wenn ich später bei eigenen Webflow-Projekten* Fragen habe? Kann ich mich dann bei dir melden? Hast du eine Community, eine Fragerunde oder Ähnliches?

Die Frage habe ich auch schon öfters bekommen und bisher habe ich noch keine einzige Frage unbeantwortet gelassen :) Ich helfe, wo ich nur kann und oft baue ich sogar speziell zu Fragen, die von Teilnehmern*Innen zu interessanten Webseiten kommen, ein eigenes öffentliches Tutorial, wie man bestimmte Elemente baut. Außerdem helfen sich auch einige gegenseitig über die Kommentarfunktion unter den Lektionen und Videos.

Zurück zu deiner Arbeit als Designer. Du bist ja schon seit mehr als 6 Jahren selbstständig. Vorher hast du in der Werbeagentur bei Jung von Matt gearbeitet. Du kennst also beide Seiten – die Festanstellung und die Selbstständigkeit. Was schätzt du heute an deiner Selbstständigkeit am meisten und was ist die größte Herausforderung für dich, Jonas?

Was ich an meiner Selbstständigkeit schätze:

Ich tauche bei jedem Website Projekt immer wieder in neue Welten ein, lerne andere Unternehmen kennen und das fasziniert mich. Mir ist das letztens erst so richtig bewusst geworden, als ich bei dem Gründer eines größeren Unternehmens Zuhause beim Abendessen saß. Ich finde das krass, dass ich, als Solo-Unternehmer aus dem Home-Office auf einmal den direkten Draht zu einem Millionär bekomme, von dem ich natürlich ganz andere Einblicke und Erfahrungen erzählt bekomme. Mein Netzwerk kann dadurch natürlich in viele unterschiedliche Richtungen wachsen und das ist nur ein kleiner Aspekt, der toll ist.

Manchmal sind es auch kleine Dinge, die die Selbstständigkeit ausmachen. Beispielsweise beim Einkaufen. Ein Supermarkt ist unter der Woche viel leerer als am Wochenende. Seine Einkäufe dann zu erledigen, ist viel entspannter. Das ist vielen Festangestellten vielleicht nicht möglich.

Auch die Flexibilität, Urlaub irgendwann zu nehmen oder Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Ich schaue aus dem Fenster, sehe meinen kleinen Sohn im Garten spielen und lege eine kurze Pause ein, weil ich einfach Lust darauf habe. Diese Dinge bewusst wahrzunehmen und auch zu machen, zeigen mir immer wieder, wie gern ich eigentlich mein eigener Chef bin.

Herausforderungen:

Mir fällt es nicht so einfach, den Schritt immer mehr hin zu einem Unternehmer zu machen. Ich sehe mich zwar so, weiß aber auch, dass ich als Unternehmer mehr Aufgaben abgeben müsste, um weiter wachsen zu können. Das fällt mir nicht leicht und darin muss ich besser werden.

Auch gewissen Kunden abzusagen, weil man selbst weiß, dass sie mich persönlich nicht weiterbringen, ist nicht immer einfach.

Ab einem bestimmten Punkt in der Selbstständigkeit habe ich allerdings auch gemerkt, dass für jedes Projekt, das ich annehme, ich womöglich auch drei andere tolle Projekte absagen muss, da ich einfach nicht alles auf einmal machen kann. Es hat für mich lange gebraucht „Nein” als mein Freund anzunehmen, aber sobald man das auch wirklich erkennt, bringt es einen viel schneller ans Ziel.

Jetzt mit deiner Erfahrung und deinem Wissen im Hinterkopf: Welche Tipps würdest du jungen Kreativen mit auf den Weg geben, die sich gerade selbstständig machen möchten? Was hättest du gerne selbst früher gewusst?

Puuh, das kann bei mir immer eine lange Antwort werden. Wahrscheinlich dir Frage, die mir auch immer am meisten gestellt wird. Lass mich hier am besten ein paar Gedanken auflisten:

  • Immer Neugierig bleiben.
  • Fang nicht an Vollzeit selbstständig zu arbeiten, bevor du dich nicht selber ein halbes Jahr ohne Kunden bezahlen könntest. Dadurch kommst du nicht in die Zwickmühle, Kunden nur annehmen zu müssen, weil du das Geld brauchst.
  • Versuche nicht deine Zeit zu verkaufen, sondern Wert.
  • Du musst lernen, wie man gutes Geld verdient, wie man es behält und wie man es für sich arbeiten lässt.
  • Versuche bei jedem Projekt das beste Ergebnis zu liefern, um auch von Kunden weiterempfohlen zu werden.
  • Suche dir Projekte bzw. einen Kunden in genau dem Bereich, wo du in Zukunft auch Projektanfragen haben möchtest und bearbeite dieses kostenlos und für dich als Training. Das Ganze ordentlich dokumentieren und eine Case Study daraus machen.
  • Wichtig ist, dass deine Kunden immer auch wertvolle Kontakte in ihrem Netzwerk haben, damit sie von dir erzählen können.
  • Frag dich immer, wie du noch mehr Vertrauen und Sicherheit zu potentiellen Kunden aufbauen kannst.
  • Setze dir Ziele, damit du weißt, wohin du überhaupt wachsen möchtest und warum.
  • Fang an wöchentlich Content zu produzieren. Dadurch passieren Wunder. Und es gibt IMMER Menschen, die ein Kapitel hinter dir sind und denen du etwas beibringen kannst.
  • Versuche dich nicht von einem Kunden abhängig zu machen.
  • Baue dein Portfolio NUR mit Projekten auf, die du auch in Zukunft machen möchtest.
  • Versuche keine „normalen” Probleme für deine Kunden zu lösen, sondern „teure” Probleme.
  • Versuche als Freiberufler/In zu starten, nicht als Gewerbetreibender.
  • Sobald es läuft, setz dich mit einfachen Investment-Möglichkeiten auseinander → Aktien, ETF, Crypto… Wir bekommen in der Schule einfach viel zu wenig über Geld beigebracht und wie du es für dich arbeiten lassen kannst.
  • Fang an andere Leute zu treffen. Freunde dich mit so vielen Nicht-Designer/Entwickler wie möglich an. Eigentlich komisch aber da sind deine Kunden.
  • Sei authentisch.

Ich hab hier von dir gehört, dass du ganz bewusst regelmäßig viel Sport in deinen Tagesablauf einbaust. Auch gesunde Ernährung ist ein wichtiges Thema bei dir. Ich mache das so ähnlich und habe gelernt, dass das auch für die eigene Kreativität unheimlich wichtig ist. Geht es dir genauso? Macht es dich kreativer, wenn du auf deine gesunde Lebensweise achtest?

Es macht mich nicht unbedingt kreativer, aber um einiges effektiver, wacher und fokussierter.

Ich könnte dir von so vielen Tagen erzählen, an denen mich Verspannungen und Rückenschmerzen runtergezogen haben und ich deshalb weniger effektiv meine Projekte bearbeiten konnte. Aber irgendwann habe ich entschlossen, dass Gesundheit bei mir eine enorm hohe Priorität bekommt. Ich musste diese Priorität aber bewusst festlegen und auch Geld dafür in die Hand nehmen.

Ich merke das erst jetzt wieder in Corona-Zeiten, wie sehr ich mein Fitnessstudio vermisse und wie gut es mir eigentlich getan hat, 3x die Woche morgens dorthin zu gehen. Die anderen zwei Tage war ich normalerweise Joggen. In dieser Zeit, also quasi die letzten Jahre, hatte ich absolut keine Probleme mehr mit meinem Rücken und war super effektiv.

Da das jetzt gerade nicht mehr geht, gehe ich unter der Woche jeden Morgen Joggen (ca. 5 km), Mittags oder vor Feierabend IMMER eine Runde spazieren (ca. 30 Min.). Meditiere zusätzlich seit 2021 jeden Tag und ernähre mich vegetarisch. Ach, und ich stehe die hälfte am Tag am Schreibtisch. Ich versuche also wirklich einen Ausgleich zu meiner Schreibtischarbeit zu schaffen und trotzdem habe ich leider momentan immer wieder mit Verspannungen zu kämpfen, obwohl ich jeden Tag viel Zeit für meine Gesundheit einsetze. Das Krafttraining mit Geräten fehlt mir eben einfach.

Ich hoffe, dass es bald wieder losgehen kann.

Arbeitsplatz Jonas Arleth 2

Auf das Wesentliche konzentriert: ein Blick auf den Arbeitsplatz von Jonas Arleth.

Zum Schluss kommt, wie immer bei den Interviews auf Achtung Designer, der Blick hinter die Kulissen deiner kreativen Welt. Wie sieht dein Arbeitsplatz aus und womit beschäftigst du dich gerade?

Da sich bei mir mittlerweile vieles um die Content-Produktion dreht, sieht auch mein Arbeitsplatz entsprechend so aus. Ich versuche immer so viel Kabelsalat wie möglich ordentlich zu verstauen und auch mein Laptop ist in einer Schublade unter dem Schreibtisch an meinen externen Bildschirm angeschlossen.

Das Büro ist im dritten Stock bei uns im Haus, also direkt unterm Dach.

Danke für das Interview, Jonas! Und wer jetzt neugierig auf Weblow geworden ist, der findet hier alle Infos zum Kurs* von Jonas.

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Cool! Ich will auch das Briefing

1 Kommentar

  • Danke für das Interview Gudrun! Hat mich gefreut!

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