Die Bullet Journal Methode: So funktioniert`s für Selbstständige

Gekaufte Notizbücher haben immer den großen Nachteil, dass sie eigentlich nie wirklich zu dem passen, was du für deine Selbstständigkeit brauchst. Mal sind die Tagesbereiche zu klein, dann zu groß, die Aufteilung ist unübersichtlich oder das Layout einfach hässlich … Mir geht es jedenfalls immer so. Darum habe ich auch etliche Notizbücher im Regal liegen, die ich nie als Tagesplaner genutzt habe.

Und mich trotzdem dazu zwingen ist völlig zwecklos. Mach ich ja doch nicht. Wenn mir etwas nichts bringt, dann verwende ich es nicht. Gute Vorsätze hin oder her.

Und es geht nicht nur mir so.

Selbstgemachte Bullet Journals sollen genau für dieses Problem die passende Lösung sein. Denn hier arbeitet man mit einem Blanko-Notizbuch, das man sich selbst so aufbaut und einteilt, wie es für die persönliche Arbeitsweise und Organisation passend ist. Du willst eine Zusatzseite für deine Leseliste? Eine Übersicht für deine Einnahmen? Einen Bereich für Kundenabsprachen? Alles kein Problem, wenn du den Aufbau deines Journals selbst bestimmen kannst.

Das Prinzip ist so simpel wie großartig. Kein Wunder also, dass die Bullet Journal so großer Beliebtheit erfreuen. Egal, ob auf Pinterest, Instagram oder in den vielen tollen Blogs – überall findet man die schönen, aufwendigen und liebevoll gestalteten und illustrierten Journals. Trotzdem konnte ich ziemlich lange nichts mit dem Thema anfangen. Eigentlich komisch, wo ich doch schon so lange als Designerin arbeite und gute Gestaltung liebe.

Aber bei mir selbst sieht es nun mal anders aus. Es lang mir noch nie meine eigenen Notizen und Texte mit umfassenden Grafiken oder Illustrationen zu ergänzen. Wenn ich etwas festhalten will, mache ich das quick and dirty.

Das war hier eine Notiz auf die Rückseite eines Entwurfs, da eine Liste auf einem kleinen Post it oder eine digitale Notiz in einer App. Außerdem brauche ich immer mehr Platz zum Schreiben, als ich auf einem Zettel oder einem Textfeld habe. Ja, das ist Zettelwirtschaft, aber es geht doch! Die wichtigsten Eckdaten hatte ich eh meist im Kopf. 

bullet journal methode 1

Wie ich von Morgenseiten zum Bullet Journal gekommen bin

Das liegt aber nicht daran, dass mich das Schreiben stört. Ganz und gar nicht. Ich liebe Worte und es hilft mir, wenn ich meine Gedanken ausformuliere und tatsächlich festhalte, indem ich sie zu Papier bringe.

Bei den Morgenseiten – also einer Technik, die ich mir von Julia Cameron und ihrem Buch Der Weg des Künstlers* abgeguckt habe, um meine Gedanken, Ideen und Worte festzuhalten – klappt das prima. Da ist es mir ganz leichtgefallen zusammenhängend und täglich meine Seiten aufzuschreiben. Keine einzelnen Notizen, sondern alles aufeinanderfolgend und in einem Notizbuch. (Auch wenn ich die Technik für mich ein wenig abgewandelt habe. Denn bei mir ging es eher darum, meinen Tag zu planen und die einzelnen Themen in einen gemeinsamen Kontext zu setzen, als um eine Kreativitätstechnik, wie Julia Cameron sie vorschlägt.)

Ich hab festgestellt, wie gut mir diese Herangehensweise tut.

Meine Tage haben so einen eindeutigen Startpunkt und da ich oft auch abends noch einige Zeilen hinzugefügt habe, auch einen Endpunkt. Ich weiß, wo ich gerade gedanklich stehe, und kann durch das vor- und zurückblättern Veränderungen besser erkennen und Entwicklungen bewusst wahrnehmen.

Und an der Stelle wurde ich neugierig.

Wenn mir das kontinuierliche und tägliche Aufschreiben so guttut, was kann ich dann noch aus der Technik für mich rausholen? Wie kann ich meine Notizen für meine Kreativität nutzen? Und wie verändert und beeinflusst es meine Arbeitsweise und Produktivität?

Fragen über Fragen, auf die ich mit der Bullet Journal Methode* von Ryder Carroll die passenden Antworten gefunden habe.

Wie funktioniert die Bullet Journal Methode?

Denn zu meiner großen Überraschung spielen Gestaltung, Designs oder Zeichnungen in der originalen Bullet Journal Methode gar keine Rolle. Es geht nicht darum, wie das Journal optisch aussieht, sondern rein um die Inhalte. Es ist eine Methode, die jeder so umsetzen kann, wie er möchte. Quick and dirty? Schnelle Wortgruppen? Farben? Der Aufbau? Alle diese Dinge kann man machen, wie man will.

Sehr gut! Denn das entspricht meiner Arbeitsweise. Eine gute Methode als Basis und komplett freie Hand bei der Umsetzung.

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Dabei kann man das System der Bullet Journal Methode von Ryder Carroll auf vier wesentliche Schritte zusammenfassen:

1. Das Rapid Logging

Damit sind die täglichen Aufgaben, Notizen und Gedanken gemeint, die als Liste in einer Kurzschreibweise aufgeschrieben werden. Ein vorangestelltes Symbol zeigt an, worum es sich bei der Eintragung handelt (Notiz, Ereignis oder Aufgabe) und ob diese geplant, in der Umsetzung, fertig, umgeplant oder hinfällig ist. Dein heutiger Zahnarzttermin gehört in diese Übersicht.

Ich mag daran besonders, dass ich auf einen Blick erkenne, wie der Stand der Dinge ist und was noch zu tun ist.

2. Index und die Logs

Bei einem vollgeschriebenen Notizbuch mit über 300 Seiten weißt du nicht mehr, was du wann wo notiert hast. Wo fing der Mai an und hörte der August auf? Darum gibt es vorn immer einen Index, der festhält, welcher Bereich bei welcher Seitenzahl zu finden ist.

Das „Future Log“ ist eine Jahresübersicht. Im „Monthly Log“ werden die Ereignisse übersichtlich notiert, die an einem bestimmten Tag geplant sind. Dein Zahnarzttermin am 16. September gehört zum Beispiel in dein Monthly Log, während die Erinnerung an den Kontrolltermin in 6 Monaten in deinem Future Log notiert ist. Das „Daily Log“ ist der Ort, an dem du für dein „Rappid Logging“ nutzt.

Für mich hat sich der Index als sehr praktisch erwiesen. Das „Future Log“ hingegen benutze ich gar nicht. Oder besser gesagt, nutze ich dafür einfach die Kalenderfunktion in meinem Telefon. Für das „Monthly Log“ habe ich einen ganz normalen Tageskalender auf dem Schreibtisch liegen, in dem ich auch meine Arbeitszeit und meine Aufgabenblöcke eintrage. Das „Daily Log“ ist dann aber tatsächlich in meinem Journal. :)

3. Collections

Alles was zusammengehört ist laut Ryder Carroll eine Collection also eine gemeinsame Sinneinheit. Das gilt im Prinzip auch für die Haupt-Collections, wie den Index oder das Future Log.

Ich benutze Collections sehr gerne und für fast alles, was ich mir im Arbeitsalltag merken will. Das können die Ergebnisse von einem Kundengespräch sein. Oder die Strategie, die ich für meinen Newsletter festgelegt habe. Ich nutze Collections auch, wenn ich mir wichtige Infos aus Webinaren oder Weiterbildungen notieren will.

4. Die Übertragungen

Im vierten Schritt liegt für mich der eigentliche Schlüssel zum Erfolg mit dem Bullet Journal. Denn am Ende von jedem Tag werden die unerledigten Aufgaben neu durchgeguckt und bewertet. Und nur die Aufgaben, die weiterhin wichtig und berechtigt sind, werden dann auf den nächsten Tag ins „Daily Log“ übertragen. Was nicht mehr wichtig ist, das wird einfach gestrichen und wandert in den Papierkorb.

„Echt jetzt? Ich soll jeden Tag aufs Neue dieselben Aufgaben aufschreiben, wenn ich sie nicht erledigt habe?“ Ja, genau das ist der wichtige Schritt. Denn wenn du 10 Tage infolge „Buchhaltung für diesen Monat machen“ aufschreibst, dann kümmerst du dich auch endlich drum. Und wenn es nur ist, damit du es nicht noch einen 11 Tag dasselbe aufschreiben musst. Oder du entscheidest dich dafür dir endlich einen Steuerberater zu suchen, denn dann kannst du den ganzen Aufgabenpunkt einfach durchstreichen und musst dich nicht mehr darum kümmern.

Das Übertragen funktioniert aber auch sehr gut am Ende einer Woche, eines Monats oder am Ende des Jahres. Das Prinzip ist dabei genau das gleiche.

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Meine eigenen Anpassungen für die Bullet Journal Methode

Zu Beginn habe ich mein Bullet Journal nach der Originalmethode verwendet. So ganz hat das aber noch nicht für mich gepasst.

  • Zum einen habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, um mich schneller beim Durchblättern zurechtzufinden, denn ich gucke im Alltag nicht zuerst im Index nach, sondern schlage das Bullet Journal einfach irgendwo auf und suche meine Seite.
  • Das Zweite, was mir gefehlt hat, war eine schnelle Übersicht darüber, wann ich bestimmte Dinge erledigt habe. Klar könnte ich jeden Tag durchlesen, aber das mache ich im Alltag nicht.
  • Und drittens verliere ich schnell das Gefühl dafür, wie viel ich schon erreicht habe. Ist eine Aufgabe erledigt, dann ist sie auch aus meinem Kopf raus. Wichtige und entscheidende Meilensteine rutschen mir so einfach durch die Finger. Dabei ist es so wichtig für die eigene Motivation, dass ich mir regelmäßig vor Augen halte, wie weit ich schon gekommen bin.

Also habe ich noch 3 individuelle und ganz simple Anpassungen an mein Bullet Journal vorgenommen. Und jetzt ist es perfekt für mich. Zumindest im Moment, bis ich die nächste Anpassung probiere.

  • Für das erste Problem mit der Orientierung innerhalb des Journals habe ich jetzt einen hellblauen Textmarker, mit dem ich jedes Datum markiere. So kann ich fix hin- und herspringen.
  • Problem Nummer 2 löse ich, indem ich am Ende von jedem Tag die eine (wirklich nur 1) wichtige und dringende Aufgabe markiere, die mich meinem aktuellen Ziel am nächsten gebracht hat. Und das mache ich – du ahnst es schon – mit einem pastellorgangen Textmarker. So sehe ich sofort, wann ich welche entscheidenden Aufgaben umgesetzt habe.
  • Und um meine Meilensteine und Erfolge nicht zu übersehen, habe ich ein monatliches Review eingeführt. Dafür schreibe ich am letzten Tag des Monats alle erledigten Aufgaben untereinander in eine lange Liste. Und diese Übersicht der Erfolge ist immer sehr viel länger, als ich erwartet habe. Ein super Gefühl!

Die Bullet Journal Methode für Selbststaendige – so funktioniert es

Was zeichnet das Buch „Die Bullet Journal Methode“ noch aus?

Als Designerin spielt für mich natürlich auch das Design eine große Rolle. Und dieses Buch ist schön. Es hat eine tolle aufwendige Umschlaggestaltung, eine gut gesetzte und aufgeräumte Typo und eine großartige Haptik. Ich mag es anfassen, in die Hand nehmen und darin blättern. Es macht Spaß mit diesem Buch zu arbeiten.

Inhaltlich hat die Bullet Journal Methode* aber auch viel zu bieten, was über die reine Methode hinausgeht. Die vielen nützlichen Infos helfen dem Leser dabei zu verstehen wie und warum diese Methode funktioniert. Wenn ich weiß, warum z. B. handgeschriebene Notizen effektiver sind, als digitale Eintragungen, dann bin ich auch eher bereit ein Bullet Journal auszuprobieren.

Die vielen Beispiele, Anwendungsmöglichkeiten und beantwortete Fragen geben ebenfalls einen tollen Einblick in die große Vielfalt, die Bullet Journals bieten. Es geht nicht darum die eine einzige und verbindliche Anwendung umzusetzen, sondern darum den eigenen Weg zu finden. Und ob das dann quick and dirty mit wenigen Worten ist, wie bei mir oder ob das mit tollen Illustrationen, vielen Grafiken und Bildern ist, das liegt ganz bei dir.

Und genau diese Vielfalt macht den Reiz und auch die hohe Qualität der Bullet Journal Methode für mich.

Mein Fazit für ein Bullet Journal als Tool für Selbstständige

Für mich ist mein Bullet Journal inzwischen fester Bestandteil meines Arbeitsalltags. Und mein Journal kann es locker mit jedem digitalen Tool aufnehmen, dass ich bisher ausprobiert habe. Die Methode ist simpel und wenn man sie einmal verinnerlicht und ein wenig auf die eigenen Bedürfnisse angepasst hat, ist sie unschlagbar praktisch. Außerdem kann man ein Notizbuch überall mit hinnehmen. Es funktioniert auch ohne Internet, kann runterfallen, ohne kaputt zu gehen und man braucht nicht mehr als einen Kugelschreiber, um es benutzen.

Mein Bullet Journal liegt immer aufgeschlagen auf dem Schreibtisch neben mir, sodass ich jederzeit neue Aufgaben eintragen und Erledigtes abstreichen kann. Das macht mir meinen Arbeitsalltag leichter und effektiver.

Durch meine Änderungen und die farbigen Markierungen kann ich die Schritte hin zu meinen Zielen und Strategien schneller und einfacher nachverfolgen. Ich weiß jederzeit an welchen Punkt ich gerade stehe und was als Nächstes ansteht. Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie hilfreich das für meine Motivation und meine Erfolgserlebnisse ist. Denn nichts ist für mich nerviger als das Gefühl auf der Stelle zu treten …

Weil ich auch Inhalte von Kundentelefonaten und Absprachen als Collection notiere, habe ich in meinem Journal alles an einem Ort und kann jederzeit Projekte wieder aufnehmen oder reagieren, wenn ein Kunde anruft und eine Rückfrage hat.

Schön und illustriert und gut vorzeigbar wird mein Bullet Journal wohl nie werden. (Sorry Instagram :) ) Aber das muss es ja auch gar nicht. Denn ich hab eine Version für mich gefunden, die funktioniert. Und das ist doch das Wichtigste!


Diese Materialien benutze ich:

  • Das Buch Die Bullet Journal Methode* von Ryder Caroll bekommst du für 20 Euro Online oder bei deinem Lieblingsbuchhändler um die Ecke.
  • Als Journal verwende ich ein ganz einfaches liniertes A5 Notizbuch*. 
  • Wenn du dein Journal gerne illustrierst, dann eignet sich ein Notizbuch mit dickeren Seiten und Pünktchenraster wie von Tombow* besser.
  • Highlights setze ich mit den Pastell-Textmarkern*.
  • Als Stifte verwende ich am liebsten einen wasserfesten Fineliner oder einen Kugelschreiber. Probiere am besten ein wenig, bis du den passenden Stift für dich gefunden hast.

Der Artikel wurde im Juli 2020 veröffentlicht.

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Ja, genau das hab ich gesucht!

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