Arbeite nie kostenlos! Auch nicht für Freunde

„Du bist doch Designerin, richtig? Ich hätte da eine neue Idee und ich brauch jetzt noch ein Logo oder so was. Damit das gut aussieht. Gar nichts Spezielles. Nur was ganz Kleines. Kannst du mir nicht eben mal schnell was machen? Du kannst doch so was …“

Und schon hast du den Salat. Ein Freund, ein Bekannter, eine Tante oder deine Cousine hat dich auf einer Feier angesprochen und du hast dich überrumpeln lassen. Du weißt schon jetzt ganz genau, dass gar nichts an diesem angekündigten Design „eben mal schnell“ oder nur „ganz klein“ gestaltet werden kann.

Arbeite nie kostenlos!

Es scheint ein ungeschriebenes Designer-Grundgesetz, dass alles was man für Freunde macht und das eigentlich nur ganz klein sein soll, wirklich immer (!) aufwändig wird. Es bleibt nie bei einer Kleinigkeit. Das hat zwei wesentliche Gründe.

Grund 1 – Du gibst dir zu viel Mühe

Deine Berufsehre, deine Erfahrung und dein Know How verlangen, dass deine Designs gut aussehen und funktionieren. Das umfasst natürlich auch die Designprojekte, die du für Bekannte und Freunde macht. Kein guter Designer kann es ertragen, dass die eigene Arbeit nur eben „so okay“ geworden ist.

Also setzt du dich dann doch noch mal dran und schiebst hier ein bisschen an der Typo, änderst da noch mal die Farbe und überlegst zum Schluss, ob die Form der i-Punkte nicht doch irgendwie unpassend ist …

Nicht, dass dein Gegenüber je den Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Version sehen würde. Trotzdem gehen so die Stunden ins Land und aus der eben noch kleinen, kurzen Sache ist schnell ein ganzer Tag geworden.

Grund 2 – Kannst du noch mal schnell …

Du hast es tatsächlich geschafft, ein gutes und nicht zu aufwändiges Design für deinen Freund oder deine Bekannte umzusetzen. Bravo! Wäre da nicht die eine kleine Sache, die du doch bitte noch mal schnell ändern sollst.

„Ein erzwungener Blocksatz würde doch viel besser aussehen und die Times/Comic Sans ist doch viel besser geeignet. Wirklich die nutzt jeder aus dem Büro und es funktioniert soo gut …“

Aha!

Und nun?

Du bist ja ein höflicher Mensch. Also versuchst du zu erklären, warum ein erzwungener Blocksatz immer schrecklich ist und dass es 100 bessere Schriften gibt als die Times oder die Comic Sans. Wie gut oder schlecht deine Argumente ankommen, ist erfahrungsgemäß verschieden. Immer gleich ist jedoch die Tatsache, dass du nun schon mehr als einen Tag für die „kleine Sache“ geopfert hast.

Wie kommst du aus der Nummer raus?

Die große Frage am Ende des Tages bleibt, wie du angemessen reagieren kannst, wenn Freunde und Bekannte mit einem unbezahlten Designprojekt auf dich zukommen. Was kannst du machen? Einfach niemals für Menschen arbeiten, die du kennst und magst, ist keine Lösung. „Ja“ sagen, obwohl du „Nein“ meist, aber auch nicht.

Arbeite nie kostenlos - Auch nicht für Freunde

Hier kommen meine 3 Regeln für den Umgang mit kostenlosen „Freundschaftsdesigns“

Als allererstes musst du dir klar machen, dass deine Arbeit und deine Designs wertvoll sind. Darum musst du immer klare Regeln für die Arbeit im Freundes- und Bekanntenkreis setzen - damit du nicht immer wieder in die gleiche Falle tappst. Andere Berufsgruppen machen das auch - und zwar völlig selbstverständlich. Du würdest schließlich auch nicht auf die Idee kommen, einen befreundeten Zahnarzt um eine kostenlose Wurzelbehandlung zu bitten. Selbst wenn es nur eine „ganz kleine und schnelle Sache“ ist. 😉

Regel #1 – Sag deinen Freunden wie viel deine Arbeit wert ist

Familie, Freunde und Bekannte erleben dich nur selten von deiner beruflichen Seite. Das hat zur Folge, dass sie deine Designs ebenfalls nicht vor deinem professionellen Hintergrund wahrnehmen. Vielleicht kennen sie einige deiner Arbeiten. Vielleicht waren sie schon einmal in deinem Büro. Aber bei den etlichen Nachtschichten, den Bergen von verworfenen Entwürfen und den stundenlangen Ideenfindungen waren sie garantiert nicht dabei.

Sie verbinden deine Designs nicht mit deinem Büro und deinem Know-how, sondern mit dem Sommerfest und der Grillwurst, die ihr zusammen gegessen habt als das Thema aufkam.

Also musst du ihnen erst mal deutlich machen, wie viel so ein Design wert ist und wie lange es eigentlich dauert dieses zu gestalten. Woher soll dein Freund oder deine Bekannte sonst wissen, dass du auch für ein „kleines Logo“ mindestens einen ganzen Arbeitstag + Design-Fragebogen + Rücksprachen + Korrekturschleifen + … brauchst?

Regel #2 – Nenn deinen Preis

Eine alte Volksweisheit besagt: „Wenn es nichts kostet, dann ist es auch nichts wert“. So ähnlich verhält es sich leider auch mit kostenlosen Designs. Sie sind schön und gerne genommen, aber wertvoll – das sind sie in der Wahrnehmung deines Gegenübers oft leider nicht (Ausnahmen bestätigen hier die Regel). Muss man jedoch Geld für die Arbeit bezahlen, dann überlegt man sich schon, ob die 4. Korrekturschleife nun wirklich nötig ist.

Genau das ist die schwierige Stelle bei Aufträgen im Freundeskreis. Nimmst du die volle normale Summe, sind deine Freunde vielleicht sauer oder enttäuscht, weil sie sich einen „Freundschaftspreis“ erhofft haben. Verlangst du nicht genug Geld, zahlst du drauf – vor allem, wenn du für diesen Auftrag auch noch andere Projekte zurückstellst.

Natürlich heißt das nicht, dass du deinen Freunden immer die volle Summe in Rechnung stellen sollst, wenn du dich damit nicht wohlfühlst. Aber sie müssen wissen wie viel deine Arbeit wert ist, die du für sie machst.

Biete darum keinen billigeren Supersonderfreundschaftspreis an, sondern gib lieber einen Rabatt auf die volle Summe, die du auch bei jedem anderen Auftraggeber in Rechnung stellen würdest. So bleibt der Wert deiner Designs erhalten und trotzdem kommst du deinen Lieben entgegen.

Regel #3 –Mach das Design zu einem Geschenk

Es gibt Situationen da kannst oder möchtest du kein Geld für die Aufträge im Freundes- oder Familienkreis nehmen. Trotzdem willst du deine Mühe und deine Arbeit nicht einfach so rausschleudern. Deine Designs sind dir wichtig und du willst, dass dein Gegenüber das auch wertschätzt.

Ist das der Fall, dann kannst du deine Designleistung verschenken. Aber nicht schnell so zwischen Tür und Angel, sondern ganz bewusst. Mit Schleifenband und schönem Geschenkpapier sozusagen. Ich habe einmal für eine Hochzeit statt eines üblichen Geschenks die Karten für die Einladung und die Danksagung gestaltet. Das war toll – für mich und für das Brautpaar.

Wer kostenlos arbeitet, zahlt immer drauf

Design kostet Zeit. Gutes Design kostet mehr Zeit - und da spielt es auch keine Rolle von wem der Auftrag kommt. Das muss man sich immer wieder vor Augen halten, wenn man gebeten wird „mal eben schnell was Kleines“ zu machen. Das ist auch der Grund, warum du immer draufzahlst, wenn du kostenlos arbeitest – egal ob für Freunde, die Familie oder andere Auftraggeber.

Wenn du wirklich etwas ohne Gegenleistung für Andere designen willst, dann verschenke es. Aber mach deinem Gegenüber auch klar, was du ihm schenkst und wieviel Mühe, Herzblut, Zeit und Geld in deinen Designs steckt.

Soweit zu meinen Erfahrungen. Wie siehst du das Thema? Welche Situationen hast du erlebt und wie gehst du mit solchen privaten Anfragen um? Ich bin gespannt!

Der Artikel wurde 2015 geschrieben und im März 2021 umfassend aktualisiert.

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Cool! Ich will auch das Briefing

10 Kommentare

  • Ich fühle mich gerade sooo verstanden. Vielen Dank für diesen Artikel! Genauso läuft das bei mir leider viel zu oft. Die 3 Regeln finde ich sehr gut. Ich werde versuchen sie zu beherzigen.
  • Hey Katrin,
    es freut mich sehr, dass die die Tipps weiterhelfen! #WissenTeilen
    Hab einen tollen Tag
    Gudrun
  • Das mit der Arbeit für Freunde kannst du auf alle Bereiche ausdehnen.
    Ich habe früher auch vieles umsonst gemacht - mit dem Erfolg, dass dann ständig weitere Arbeiten auf mich zu kamen und diese dann doch nicht wert geschätzt wurden.
    Darum gilt es für jeden, Bereich des Lebens. Einen Rabatt auf die Endsumme halte ich auch für gerecht fertigt. Und bei ganz lieben Freunden verschenke ich dann auch mal meine Arbeit oder ich verlange eine Gegenleistung.
    HG
    Frank
  • Ja, die Problematik kenne ich als ITler auch. Da wird man von Freunden und Bekannten gern mal gefragt, ob man mal kurz nach deren Laptop schauen kann. "Man kenne sich ja schließlich mit dem Scheiß aus"!
    Habe mir mittlerweile angewöhnt diejenigen darüber aufzuklären, dass dieser "IT-Scheiß" ein hochkomplexes Aufgabenfeld ist und im gleichen Atemzug einen angemessenen Stundensatz mitzuteilen! Dann ist meistens schnell Ruhe!
  • Oh, das kenne ich. Und dann hinterher motzen, weil es nicht exakt so ist wie man es wollte...
  • Hallo Andreas,
    Wertschätzung ist hier das Zauberwort und es ist schade, wenn man dann feststellt, das Freunde oder Bekannte genau diese nicht für die eigene Arbeite haben. Zum Glück sind die Fälle, in denen man sich gar nicht einigen kann eher selten.
    Viele Grüße,
    Gudrun
  • Ja, das mit den Freundschaftsdiensten ist so eine Sache. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vor allem Frauen gern auf das Stichwort "helfen" anspringen. Ist ja auch schnell getan, insbesondere, wenn man ja "nur" Zeit und keine Produkte einsetzt. Also denken viele, der tolle Slogan ist doch keine Arbeit, sowas mache ich ja ständig. Aber das wirkliche "Helfen" greift definitiv nur bei engen Freunden und Familie. Eine gemeinsame Bratwurst reicht nicht aus, um sich einkaufen zu lassen, für Lau zu arbeiten. Es ist hier hilfreich, den Kandidaten mit dem angeblich nur winzig kleinen Problem in sein Büro zu bitten. Hier läßt sich eine ganz andere Gesprächsatmosphäre schaffen als auf der Grillparty. Schon ein klassisches Briefing ist hier sehr heilsam, weil dann zum erstem Mal der mögliche Umfang zutage kommt. So lange muss dann der Gefallen eben warten können und man kann gleich abschätzen, wie ernst es der Auftraggeber wirklich meint.
  • Hallo Edda,
    danke für deine Meinung und für den Tipp, die Freunde mit den "kannst du mal schnell-Anfragen" zu sich ins Büro zu bitten. Das man so ganz schnell mehr Professionalität und Wertigkeit in die ganze Anfrag bekommt, glaube ich dir sofort. Das ist ein richtig guter Hinweis! Danke Edda.

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